Wie entsteht ein Modul?
Geschrieben von: TS Freitag, den 29. Januar 2010 um 22:36 Uhr
Als kleine Anregung, es vielleicht selbst einmal mit dem Bau eines Moduls (in der Spur der MiTTe) zu versuchen, möchte ich hier eine kleine Anleitung bieten.
Durch die geringe Größe eines Moduls ist der finanzielle und zeitliche Aufwand für Bau und Gestaltung überschaubar und wer erst einmal mit einem eigenen Modul an einem Treffen teilgenommen hat, bei dem werden Vorurteile und Bedenken bröckeln, wie die Bilanzen der Lehman Brothers.
Zunächst einmal ist ein Grundgerüst, der Modulkasten, nötig. Die Stirnseiten sollten einer der verschiedenen Normen, die es für alle Spurgrößen gibt entsprechen, um einen universellen Einsatz auf Modultreffen zu gewährleisten. Auch spielt die Entscheidung der späteren Verwendung, ob z.B. eine eingleisige Neben- oder zweigleisige Hauptbahn nachgebildet werden soll, eine Rolle bei der Auswahl. Eine gute Übersicht über mögliche Profilformen findet man unter der Rubrik „Kopfstückformen für Module“ auf diesem Webportal.
Die gängigste Modulgröße in der Spur TT ist 500 x 900 mm in Breite x Länge und entspricht dem Standard des FKTT (www.ttmodule.reichsbahnamt.de) für ein- und zweigleisige Streckenmodule. Es gibt Ausführungen mit geradem Gleis in Modulmitte oder Kurven mit einem Abzweigwinkel von 22,5° und einem Radius von 2000mm.
Den Bau solcher Module möchte ich hier vorstellen, um einige Anregungen zu geben.
Die Modulkästen inklusive Trassenbrett habe ich nicht selbst gesägt, sondern bei Harald Brosch (www.williwinsen.com) bestellt (Anmerk.d.Red.: Mittlerweile verfügen wir über eine eigene Produktionslinie für Modulbausätze, siehe unsere Modulbauaktion 2010 - Interessenten wenden sich bitte an Rainer Becker-Siemes). Alle Teile sind aus 13mm Sperrholz, mit dem Laser geschnitten und absolut passgenau. Der Zusammenbau ist so einfach wie Lego spielen. Mit Holzleim verklebt und verschraubt ergibt sich ein sehr stabiler Modulkasten mit verstärktem Trassenbrett als Grundlage für das Gleis. Um das Holzgestell dauerhaft gegen Temperatureinflüsse und Feuchtigkeit zu schützen, habe ich es mit handelsüblicher Holzschutzlasur gestrichen. Bei der Gestaltung von Hügeln, Flussläufen, Wegen oder ähnlichem, können die Seitenbretter bei Bedarf mit der Stichsäge an die Form der gedachten Landschaftsführung angepasst werden.
Für die Nachbildung des Bahnkörpers verwende ich 4mm starke Korkplatten aus dem Baumarkt, die für das Gleis mit angedeutetem Böschungswinkel zurechtgeschnitten auf das Trassenbrett geklebt werden. Dabei ist ein 100 % exaktes Arbeiten nicht notwendig, da das Einschottern kleinere Unregelmäßigkeiten später überdeckt. Akkurates Arbeiten ist aber an den Modulkanten gefragt. Dort wird das (Flex-) Gleis mittels Modulübergangsstück (4 Schwellen) fest mit dem Modulkasten verbunden, um eine hohe Betriebssicherheit zu gewährleisten. Auf die bei www.digitalzentrale.de erhältlichen, auf dem Modul verschraubten, gefrästen Leiterplattenstücke werden die Schienen so aufgelötet, dass sie etwa 0,5mm vor der Modulkante enden. Damit wird eine elektrische Trennung zum Nachbarmodul gewährleistet.
Nachdem das Schwellenband aufgeklebt, die Gleise (möglichst mit einer Trennung in Modulmitte, um thermischen Spannungen vorzubeugen) eingezogen und die elektrischen Verbindungen nach Maßgabe des FKTT hergestellt sind, kann das Einschottern nach vielfältig publizierter Methode erfolgen.
Grundlage für die Landschaft bilden eine oder mehrere Schichten aus Styrodur. Grob zugeschnitten sollte es die spätere Oberflächenkontur wiedergeben.Im Gegensatz zu Styropor ist dieses Material aus dem Baumarkt oder dem Bastelzubehör fester, lässt sich einfach mit Teppichmesser bearbeiten, krümelt nicht so sehr und lädt sich weniger statisch auf. Das Verkleben untereinander und mit dem Modulkasten erfolgt mit Holzleim.
Um die Zugänglichkeit zur Verschraubung zwischen den Modulköpfen zu gewährleisten, habe ich an der flachen Talseite des Hangprofil bildenden Kopfstückes eine andere Methode der Formbildung gewählt. Die Silhouette entstand aus zwei, der Kontur entsprechend gesägten Sperrholzverstärkungen, welche mit Metallgaze überzogen und mit Gipsbinden überdeckt wurden.
Bevor es jedoch an das Gestalten der Landschaft geht, muss das Modul noch auf seine Beine gestellt werden. Dabei gibt es mehrere, auch vorgefertigte käufliche Möglichkeiten. Ich bevorzuge Holzbeine welche ich mir aus Leisten vom Baumarkt zurechtschneide. Am oberen Ende geschlitzt, werden sie von unten auf in den Längsseiten steckende Schlossschrauben geschoben und mit Flügelmuttern verklemmt. Somit lässt sich die Höhe von 130cm an Schienenoberkante auch auf unebenem Boden leicht justieren.
Ideal für den Transport ist das Stapeln zweier gleich großer Module übereinander. An den Stirnseiten mit einfachen Sperrholzplatten verschraubt, ergibt sich ein Kasten der die Module ausreichend schützt.
Der FKTT sieht für die farbliche Gestaltung der Längsseiten ein Braun vor, welches ein Herr Mario Barth in seiner Show besser beschreibt, als ich es mich hier trauen würde. Deshalb haben wir uns bei den Modulfreunden auf den Farbton „Schokoladenbraun“ Ral8017 geeinigt, welcher als seidenmatter Acryllack aufgetragen, ansehnlich und dauerhaft haltbar ist.
Jetzt aber zur Gestaltung der Landschaft.
Ich möchte hier meine eigene bevorzugte Methode beschreiben, welche aber keinesfalls als „Allheilmittel“ gelten soll. Bekanntlich führen ja viele Wege nach Rom, oder eben zum Modul… Auch sollte sich niemand durch misslungene Bastelversuche abschrecken lassen und die Flinte allzu früh ins Korn werfen. Übung macht auch hier den Meister – Spaß am Modellbau vorausgesetzt.
Kleinere Spalten und Unebenheiten der Styrodur- Basis schließe ich mit einer dünnen (!) Moltofill- oder einfach Gipsschicht.
Nach dem Trocknen grundiere ich die ganze Moduloberseite mit Abtönfarben in grün und Braun. Jetzt werden Testweise Häuser aufgestellt. Straßen bzw. Wege werden angelegt, indem Straßenpflaster aufgeklebt, feiner Sand aufgesiebt oder einfach nur Betonfarbe gestrichen wird. Eine große Auswahl an Sanden, Schotter und Naturstein in hervorragender Qualität bekommt man bei Bergs&Bongartz unter www.minitec24.de . Aus diesem Programm verwende ich für Felder und Waldwege die einzigartige Parabraunerde.
Zu begrünende Flächen entstehen durch Bestreuen des grundierten und mit verdünntem und entspanntem Holzleim eingestrichenen Moduls mit Turf und Bodenflock verschieden großer Körnung und Farbe aus dem Noch/Woodland Programm.
Die Beflockung streiche ich nach dem Trocknen nochmals dick mit verdünntem Holzleim ein (mit Sprühkleber habe ich persönlich nicht so gute Erfahrungen gemacht) und begrase sie mit dem elektrostatischen Begrasungsgerät. Dabei verwende ich eine Mischung unterschiedlich langer Streugrassorten verschiedener Hersteller, farblich an Spätsommer/Frühherbst angelehnt. Am Bahndamm und an vermeintlich trockenen Stellen kommt auch längeres „Stroh“ zum Einsatz. Achten sollte man vor allem auf ein harmonisches Miteinander der Farben. Wenn es beim ersten Mal nicht gefällt – kein Problem. Einfach nochmals einleimen und auf ein Neues begrasen. Das funktioniert prima und bringt durch entstehende Unebenheiten sogar etwas mehr „Realität“ ins Geschehen.
Übrigens sauge ich nach dem Trocknen lose Grasfasern mit dem Tischstaubsauger ab und sammle mit dem integrierten Staubbeutel gleich wieder Material für den nächsten Begrasungsvorgang ein. So arbeitet man extrem sparsam und kommt nebenbei gleich zu einer neuen Grasmischung.
Jetzt werden partiell noch einige Bodendecker aus Foliage von Noch und Büsche aus Filigranbüschen von miniNatur gesetzt – fertig ist die Landschaft. Selbstbaubäume, einige Streublumen, einzelne Sonnenblumen, Grasbüschel oder gar Farne machen das Ganze perfekt.
Die individuelle Ausgestaltung der Szenerien mit Lampen, Masten, Schildern, Kilometersteinen, Fahrzeugen, Preiserlein usw. obliegt dann den Vorlieben und dem Geschmack des Erbauers.
Noch ein paar Worte zum Teich.
Auch für die Gestaltung von Wasser gibt es die verschiedensten Möglichkeiten. Ich habe bei meinem Modul eine von Wolfgang Langmesser vorgestellte Methode genutzt, die ich hier verkürzt wiedergeben möchte.
Die Teichform wird aus dem Styrodur gearbeitet, wobei auf eine Trennung des Materials auf Höhe der Wasserlinie geachtet wird. Der Boden wird bis zur Wasserlinie mit Waldbodenstreu von Anita Decor beflockt und am Teichrand mit einigen Filigranbüschen und Foliage versehen. Darauf kommt eine dünne Plexiglasscheibe, auf die eine Mischung verschiedener brauner und grüner Window-Color Farben aufgebracht wird. Dabei sollte die Farbintensität zur Teichmitte hin zunehmen, um eine gute Tiefenwirkung zu erzielen. Bis zum gewünschten Ergebnis brauchte es bei mir einige Versuche. Anschließend kann in gewohnter Weise die Ufergestaltung mit auf dem Plexiglas aufgesetztem Styrodur erfolgen. Ist die Begrünung abgeschlossen wird noch eine Schicht Window-Color klar aufgetragen und mit Pinsel in Wellenform gebracht. Dabei lassen sich auch kleine Gimmicks, wie schwimmenden Enten, die Wellen hinter sich herziehen, gestalten.
Als Verfechter des "grünen", also landschaftlich durchgestalteten Modulbaus, plädiere ich dafür, die Messlatte des eigenen Anspruchs an die Gestaltung immer hoch anzusetzen. Aus den eigenen Erfahrungen beim Basteln und farblicher Gestaltung bilden sich so viele Möglichkeiten und Fertigkeiten, welche bald zu einer eigenen Handschrift führen werden.
Dass auch große Betriebsstellen (besonders in der Spur TT) auf Dauer keine Sperrholzwüsten sein müssen, sondern hervorragend gestaltet sein können, zeigen die Bilder auf dieser Website.
T.Schulz

Wie entsteht ein Modul?

